Rezension zum neuen Buch von Jan Weiler: „Und ewig schläft das Pubertier“

Dank Tochter Carla hat Familie Weiler ja schon so einige interessante Erfahrungen mit dieser besonderen Spezies sammeln dürfen, doch mit Sohnemann Nick ist nun ein männliches Pubertier im Haushalt herangewachsen und hält somit neue Überraschungen für seine Eltern bereit. Mit seinem neuen Buch „Und ewig schläft das Pubertier„, trifft Jan Weiler bei uns Eltern mit seiner Autobiografie genau den Nerv und mitten ins Herz. Er schildert alltägliche Situationen aus seinem Leben als Vater pubertierender Teenager und jeder Leser, der ebenfalls solche „Exemplare“ zu Hause hat, erkennt die Seinen und sich selbst in jungen Jahren darin wieder. „Und ewig schläft das Pubertier“ ist nach „Das Pubertier“ und „Im Reich der Pubertiere“ der dritte Band und bietet auch diesmal beste Unterhaltung für alle, die diese Art des trockenen Humors mögen, sogar dann, wenn man kein „Pubertier“ bei sich beherbergt 🙂

Und ewig schläft das Pubertier

Wenn es erst einmal wach ist, hält es die Welt in Atem: Das Pubertier. Und inzwischen hat sich Nick zu einem Parade-Exemplar entwickelt. Als männliches Pubertier besticht auch er durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Begeisterungsfähigkeit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik.

Er wächst wie Chinagras und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Ansonsten allerdings ist die Kommunikation mit dem Pubertier auf ein Mindestmaß reduziert, es spricht wenig, dafür müffelt und chillt es ausgiebig. Und die Liebe spielt in diesem dritten Teil der Pubertier-Saga eine immer größer werdende Rolle sowie auch die Wahl der richtigen Schuhmode.

Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt. Gemutmaßt werden darf außerdem über die Frage, wann diese verfluchte Pubertät eigentlich aufhört. Der Erzähler schaut manchmal in den Spiegel und denkt: Eigentlich nie.

Autor und Illustrator

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, ist Journalist und Schriftsteller. Er war viele Jahre Chefredakteur des SZ Magazins. Sein erstes Buch »Maria, ihm schmeckt’s nicht!« gehört zu den erfolgreichsten Büchern der vergangenen Jahrzehnte. Es folgten unter anderem: »Antonio im Wunderland« (2005), »Mein Leben als Mensch« (2009), »Das Pubertier« (2014), »Kühn hat zu tun« (2015) und »Im Reich der Pubertiere« (2016). Jan Weiler verfasst zudem Hörspiele und Hörbücher, die er auch selber spricht. Jan Weiler lebt bei München.

Der Illustrator Till Hafenbrak schloss 2009 sein Studium der Visuellen Kommunikation an der Universität der Künste Berlin ab. Seither arbeitet er als selbstständiger Illustrator, u.a. auch für internationale Magazine und Zeitungen wie zum Beispiel das SZ-Magazin, M, le magazine du Monde und The New York Times. 2012 wurde er an der Universität der Künste Berlin zum Meisterschüler ernannt.

Neues aus dem Alltag der Weilers

„Auf ein Neues!“, heißt es für Familie Weiler. Nun ist ihr Sohn Nick an der Reihe. Tochter Carla (inzwischen 17) ist natürlich noch nicht aus der anstrengenden Erziehungsphase heraus, denn die Probleme wachsen mit dem Pubertier. Doch nun ist Sohnemann Nick mit seinen 14 Jahren ebenfalls in der Zeit des Pubertierens angekommen und als männliches Pubertier noch einmal etwas ganz anderes. Geschildert werden alltägliche Situationen, wie wir sie alle mit unseren Kindern erleben (werden oder erlebt haben) oder zumindest aus unserer eigenen Teenagerzeit kennen. Der Autor blickt nämlich als heute 50-jähriger Ehe-/Mann und Vater, auch seinerseits immer wieder auf die eigene Jugend zurück und zieht daraus seine Schlüsse. Er setzt sich mit Themen auseinander die es schon damals gab und nichts an Aktualität eingebüßt haben wie Schule oder die erste Urlaubsliebe. Zeitgleich sind es  die  „Begleiterscheinungen“ unserer modernen Zeit, mit Namen wie WhatsApp oder mit Abofallen infizierte Handys, welche den Familienvater einiges abverlangen.

Tochter Carla beschert ihm ereignisreiche Fahrstunden auf dem Übungsplatz und entschädigt ihn dafür mit ihrem ersten Versuch ein (garantiert unvergessliches!) Candle-Light-Dinner für den Freund zuzubereiten, welchen er als entfernter Zaungast miterlebt. Sohn Nick fängt auf einer Jugendfreizeit in Südfrankreich an sich für das andere Geschlecht zu interessieren und Vater Weiler bekommt es tatsächlich mit den ersten Anzeichen des Alterns zu tun. Welch eine Ironie.

Unsere Meinung

Jan Weiler schafft es auf eine besonders unterhaltsame und heitere Art und Weise uns seinen Blickwinkel auf die unausweichliche und teils sehr anstrengende Zeit für Eltern und Kinder während der pubertären Phase zu vermitteln. Als Vater schafft er es trotz der oft nicht nachvollziehbaren Verhaltensweisen von Clara und Nick einen kühlen Kopf zu bewahren und relativ gelassen zu reagieren. Zwischen den Zeilen liest man ganz eindeutig mit welcher Hingabe er Vater ist und mit wie viel Liebe und Verständnis er seinen Kindern gerade und wahrscheinlich insbesondere während dieser Lebensphase begegnet. Da geht er mit verdammt gutem Beispiel voran.

Die in „Und ewig schläft das Pubertier“ geschaffene Parabel eines Pubertierlabors dessen „Versuchsleiter“ das Experiment „erwachsen werden“ leitet, ist ein echter Beweis für den trockenen Humor und die Fähigkeit zur Selbstironie des Autors. Auch wir sollten uns in der Elternrolle nicht immer allzu ernst nehmen. Jan Weiler lässt uns wissen, dass es anderen Eltern mit ihren Pubertieren genauso ergeht und wir nicht alleine mit diesen Problemen sind.

Es hat wirklich Spaß gemacht das Buch „Und ewig schläft das Pubertier“ zu lesen und mich und meine Familie ein Stück weit darin wiederzuerkennen. Ich habe oft nicht nur in mich hineingelächelt und kann das kurzweilige Werk bedenkenlos jedem ans Herz legen, der sich gut und humorvoll unterhalten wissen möchte.

Unsere Große lebt zwar schon seit 4 Jahren nicht mehr in unserem Haushalt und steht auf eigenen Beinen,  aber ich bin gespannt, was uns mit unserem 14-jährigen Sohn noch so erwartet…

P.S. Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an den PIPER-Verlag

Infos

Rezension zu: „Und ewig schläft das Pubertier“

– von dem Autor Jan Weiler
– erschienen im PIPER-Verlag
– am 3.Juli 2017
– 176 Seiten
– 14,00 Euro (Hardcover)
– ISBN: 978-3-492-05772-1

 

> Bildrechte: (c) PIPER-Verlag (c) Kiddynaut

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