Zum Kinostart von Disneys SAVING MR. BANKS am 06.03.2014

Ich möchte euch den neuen Disney Film „Saving Mr. Banks „ wirklich ans Herz legen. Er ist am 06.03.14 in den Kinos gestartet. Genau richtig, nachdem Disney seinen Klassiker „Mary Poppins“ auf Blu-ray als Jubiläumsedition auf den Markt gebracht hat. Es ist die Geschichte von Walt Disney und wie er 20 Jahre versucht hat die Schriftstellerin Pamela. L. Travers davon zu überzeugen, ihm die Rechte an der Verfilmung ihres Kinderbuches „Mary Poppins“ zu überschreiben. Eine ganz wundervolle und ergreifende Verfilmung, die nicht nur den Mary Poppins Fans unter uns, einen Einblick in die Entstehung der Geschichte ermöglicht. „Saving Mr. Banks“ hat mich zum Lachen gebracht, aber auch ganz tief berührt. Ein MUSS für jeden Disney und Mary Poppins Fan, aber auch für jeden, der gerne mehr erfahren möchte!


Saving Mr. Banks – Offizieller Trailer on Disney Video

Die Geschichte

Pamela Lynwood Travers (Emma Thompson) kommt 1961 für 2 Wochen nach Los Angeles, um mit Walt Disney (Tom Hanks) persönlich über die Filmrechte an ihrem Buch „Mary Poppins“ zu verhandeln. Bisher hatte die Autorin dies rigoros abgelehnt. Doch der schnöde Mammon bringt selbst noch so starke Prinzipien zum Einstürzen, denn der Verkauf ihres Buches ist rückläufig. Es soll eine sehr anstrengende Zusammenarbeit werden, wie sich bald herausstellen wird, denn noch hat sie den Vertrag nicht unterschrieben.

Miss Travers wird am Flughafen in L.A. von Limousinen-Chauffeur Ralph (Paul Giamatti) abgeholt, der ihr von Disney zur Verfügung gestellt wurde. Dieser steht dieser dort mit einem Schild in den Händen, auf dem direkt neben ihrem Namen eine alberne Maus abgebildet ist. Ralph bekommt sofort ihre kalte und zurückweisende Art zu spüren. So locker wie die Amerikaner im Umgang mit Fremden sind, ist es der sich „very britisch“ gebenden P. L. Travers ein Graus. Bei der Ankunft in ihrem Hotelzimmer, lässt sie der Anblick angesichts der Menge an Disney-Souvenirs, die das ganze Zimmer füllen, vor Entsetzen zurückweichen. Sie stopft alles, bis auf eine 1,50 m große Mickey Mouse die nicht mehr mit hinein passt, in den Wandschrank.  Ihre Kälte schlägt auch Walt Disney entgegen, als er sie freudestrahlend begrüßt. Der direkte Körperkontakt und die amerikanische Sitte sich nur beim Vornamen zu nennen, findet P. L. Travers abstoßend und stellt dies gleich klar. Walt Disney erzählt ihr mit großer und ehrlicher Begeisterung, wie sehr er auf diesen Moment gewartet hat. Endlich könne er sein Versprechen gegenüber seinen Töchtern einlösen. Das Versprechen, ihr Lieblingsbuch „Mary Poppins“ auf die Leinwand zu bringen, was er ihnen vor rund 20 Jahren gab.

Walt Disney hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um die beste Crew für diesen Film zusammenzustellen. Es wurden beispielsweise die Sherman Brüder Robert (B.J. Novak) und Richard (Jason Schwarzman), eines der erfahrensten Songwriter-Duos in Sachen Filmmusik und als Drehbuchautor  Don DaGradi (Bradley Whitford) verpflichtet. Das erste Treffen der beiden Parteien läuft schon so schleppend an, dass sich ungefähr absehen lässt, was noch alles auf sie zukommen wird. Denn – P. L. Travers ist mit rein gar nichts einverstanden. Weder die (alberne) Musik, noch die Storyboards gefallen ihr und sie möchte Mary Poppins auf gar keinen Fall als Musical in Hollywoods Maschinerie verhunzen lassen. Es fehlt ihr an Tiefgang. Ebenso missfällt ihr die Besetzung der Hauptrollen, mit Dick Van Dyke und der noch unbekannten (und unerfahrenen) Julie Andrews. Die Einwände werden immer obskurer, vom verbotenen Schnurrbart für Mr. Banks, bis zur Farbe rot, die nicht im Film verwendet werdet durfte. Zudem muss jedes Gespräch auf Tonband aufgezeichnet werden. Doch Walt Disney will unbedingt diesen Film machen, so dass er ihr sogar das letzte Wort in punkto Drehbuch überlässt.

Walt Disney versprüht seinen natürlichen Charme und jeder lässt sich von seiner (immer noch kindlichen) Begeisterungsfähigkeit mitreißen – nicht so P. L. Travers. Selbst ein exklusiver Ausflug in sein absolut wundervolles und fantasiereiches Disneyland, mit ihm höchstpersönlich als Begleiter, zeigt keinerlei Erfolg. Die Verhandlungen drohen zu scheitern und kurz darauf beschließt die widerspenstige Autorin endgültig abzureisen. Walt Disney will und kann nicht einfach aufgeben. Es muss doch einen Grund dafür geben, warum P. L. Travers so dermaßen mauert und nichts und niemanden an sich ran lässt. Er macht sich auf die Suche und wird fündig. Er erfährt einiges über die Hintergründe ihrer Familie sowie die innige, nicht einfache Beziehung zu ihrem Vater. Wohl das einzige was sie mit Walt Disney gemeinsam hatte.

Spoiler

Parallel dazu sehen wir immer wieder Rückblenden ins Jahr 1906, in die Kindheit von P. L. Travers. Ihr Name lautet damals Helen Lynwood Goff (Annie Buckley), von ihrem Vater Travers Robert Goff (Colin Farrell),  zärtlich Ginty genannt. Sie wächst mit ihren Eltern und zwei jüngeren Geschwistern in einer kleinen Stadt in Australien auf. Ihr Vater ist Bankangestellter und poetischer Feingeist, aber leider dem Alkohol verfallen und sehr labil. Wahrscheinlich wird er deswegen auch ins australische Outback versetzt, was der ganzen Familie stark zusetzt. Die Einsamkeit in der Fremde, ganz ohne Familie und Freunde, stellt alle auf eine harte Belastungsprobe. Vor allem seine Frau Margaret (Ruth Wilson) leidet sehr unter der Situation. Wollte er doch seiner Frau die Welt zu Füßen legen, scheitert letztendlich aber seinen zu hohen Ansprüchen an sich selbst. Travers Goff wird er immer mehr von Selbstzweifeln geplagt. Doch er liebt er seine Familie, vor allem seine Kinder abgöttisch. Und auch Gintys Liebe zu ihrem Vater bleibt ungebrochen. Immer wieder wird sie von ihm darin bestärkt niemals die Fantasie und den Blick für das Besondere zu verlieren. Ihre Mutter bittet sie eines Tages auf ihre beiden kleinen Geschwister aufzupassen. Sie verlässt das kleine Haus und geht zum See, um sich das Leben zu nehmen. Die damals 7-jährige Helen rennt ihrer Mutter hinterher bis ins Wasser und kann sie gerade noch davon abhalten. Da Margaret mit den Kindern und dem inzwischen stark erkrankten Traver völlig überfordert ist, kommt ihre Schwester Ellie (Rachel Griffiths), die ihnen (aber insbesondere Traver) beistehen möchte. Als Gintys Vater mit Anfang 40 viel zu früh an den Folgen seiner Sucht stirbt, ist Hellen zutiefst enttäuscht und unglücklich. Sie fühlt sich von ihrem Vater allein gelassen und verraten.

Helen wird sich später nach ihrem Vater benennen, P. L. Travers. Es ist ihre Tante Ellie, die der Autorin viele Jahre danach als Vorbild für die Bücher von „Mary Poppins“ dient. Wer ein echter Mary Poppins Fan ist, erkennt dies sofort in dem Moment, als Tante Ellie im Film zum ersten Mal zur Tür herein kommt. Es sind die Tasche und der Schirm, die eine sofortige Assoziation zu Mary Poppins auslösen.

Unsere Meinung

Es ist und bleibt eine Disneyverfilmung, wie wir alle von vornherein wissen. Wer nüchterne Berichterstattung sucht, der sollte besser eine Doku anschauen. Dem Film liegen allerdings viele Fakten zugrunde, alleine schon weil er von der BBC mit entwickelt wurde. Zudem hatte man das große Glück einen ganz besonderen Zeitzeugen als „Berater“ im Team zu haben, Richard Sherman. Er hat damals gemeinsam mit seinem Bruder Robert, eng mit Walt Disney und so auch mit P. L. Travers zusammengearbeitet. Wie im Film zusehen ist, komponierten die damals schon bekannten Sherman Brüder, 1961 die schnell zu Ohrwürmern gewordenen Songs für „Mary Poppins“. Obwohl der große Visionär Walt Disney damals (nicht nur) mit diesem Film zu 100% den Nerv der Zeit getroffen hat, gefiel er der echten P. L. Travers niemals, was sie dadurch manifestierte, dass sie Disney keine weiteren Verfilmungen ihrer Bücher mehr erlaubte.

Ich finde Saving Mr. Banks ist einfach ein ganz wundervoller Film und hat mich in meinem Gefühl zu „Mary Poppins“ nur bestätigt. Er ist ein absolutes MUSS für jeden Mary Poppins und Disney Fan! Durch die Verfilmung dieses Kinderbuches ist Walt Disney nicht nur ein Klassiker der Filmgeschichte gelungen sondern auch, dass P. L. Travers geliebte Mary Poppins samt Familie Banks, niemals in Vergessenheit gerät.

Tom Hanks spielt einen absolut überzeugenden Walt Disney. Um ihn in allen Charakterzügen authentisch darzustellen, hat er die Figur bis aufs Kleinste studiert. Man sieht im ersten Moment Tom Hanks, aber danach einfach nur noch Walt. Es ist das Charisma, dass diese beiden Männer auch im wahren Leben gemein haben. Dies lässt sich nicht trainieren, man hat es oder nicht.  Und Tom Hanks gehört zu dieser Liga von Schauspielern, die es einfach haben. Und je älter, desto charismatischer wird er.

Emma Thompson brilliert als P. L. Travers! Sie ist das äquivalente Gegenstück zu Tom Hanks. Die Maske leistet Erstaunliches, erkennt man die Schauspielerin erst auf den zweiten oder dritten Blick. Aber auch sie hat sich sehr mit ihrer Rolle auseinandergesetzt und verkörpert die verbitterte und traumatisierte P. L. Travers grandios. Die kleine Ginty wird von der jungen Annie Buckley gespielt. So überzeugend sogar, dass wir ihr trotz ihres späteren, herablassenden Snobismus, auch die verletzliche Seite abkaufen. P. L. Travers kommt eigentlich aus Australien, ist aber sehr früh nach England ausgewandert und hat mit ihrer Heimat abgeschlossen. Konnte sie sich dort doch wunderbar hinter der unnahbaren und distanzierten Art der Engländer verstecken.

 Colin Farrell sehen wir in der Rolle des Travers Robert Goff, Vater von Helen Lynwood Goff. Er überzeugt in dieser für ihn eher ungewöhnlichen Rolle. Es gelingt ihm in seiner Nebenrolle, die doch so ausschlaggebend ist, den Zuschauer mitzunehmen in seine Fantasiewelt und sie mit ihm leiden zu lassen.

Ebenfalls einen großen Beitrag zum Verständnis für P. L. Travers leistet Paul Giamatti. Ist er es doch, der es als einziger schafft sie über ihren Schatten springen zu lassen und dem es gelingt ihr wenige warme Worte zu entlocken. Er spielt die Rolle des Chauffeurs Ralph so genial, was einmal mehr beweist, dass wirklich gute Schauspieler auch aus einer Nebenrolle eine große Figur machen können.

In den Rollen von Richard und Robert Sherman sehen wir B.J. Novak als Robert und Jason Schwarzman als Richard. Erstaunlich daran ist, dass sowohl die Schauspieler, als auch auch ihre Figuren zur Zeit der Dreharbeiten das gleiche Alter hatten. Richard Sherman war begeistert von der Besetzung und konnte einige Anekdoten von damals zum Besten geben.

Die Regie führt John Lee Hancock, der schon mit seinen vorherigen Produktionen sehr erfolgreich war. Er zeigt in diesem Film die Schlacht zwischen zwei sehr charakterstarken Persönlichkeiten, die im Grunde verschiedener nicht sein könnten. Doch der ganze Film zielt darauf hin, dass es eine kleine Gemeinsamkeit ist die letzten Endes dazu führt, dass P. L. Travers unterschreibt. Was aber noch viel wichtiger ist, sie kann endlich loslassen und mit sich ins Reine kommen. Hatte sie sich doch im Buch mit der zauberhaft magischen Nanny Mary Poppins Hilfe ins Haus geholt, um der Vaterrolle ein anderes Schicksal zu zuschreiben und den Kindern eine heile Familie zu ermöglichen. Nach und nach werden uns ihre zutiefst schmerzlichen Erinnerungen bewusst. Ein Kindheitstrauma, das sie anhand des Buches versucht hat zu verarbeiten. Die Banks waren ein Teil ihrer Familie, ebenso Mary Poppins. Sie sollten nicht ins Lächerliche gezogen oder mit simplen Cartoons verschandelt werden. Darum wollte sie so großes Mitbestimmungsrecht sowie das letzte Wort.  Darum war es für sie so schwierig, Disney die Filmrechte zu überschreiben.

Wind dreht nach Ost,

Nebel kommt auf,

der Himmel sieht plötzlich so merkwürdig aus…

Infos

Saving Mr. Banks

Originaltitel: Saving Mr. Banks

Startdatum: 06.03.2014

Regie: John Lee Hancock

Darsteller: Tom Hanks, Emma Thompson, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman

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