Mein schneller Papa – oder es gibt viele Möglichkeiten schnell zu sein!

14. September 2011
Von

Hennes und Papa Thorsten

Hennes ist 5 Jahre alt und Papas größter Fan – neben seiner Mutter. Die Rede ist von  Bianca Jahnke-Oppold, ihrem Sohn Hennes und ihrem Mann Thorsten. Bianca Jahnke-Oppold hat ein Buch über ihren Sohn Hennes und sein größtes Vorbild geschrieben. Und dass dies für viele nicht verständlich ist, haben sie schon oft erlebt. Denn seit er 20 Jahe alt war sitzt Thorsten im Rollstuhl. Das Kinderbuch “Mein schneller Papa” kommt mit vielen Fotos daher und handelt von Hennes’ Bewunderung für seinen Vater und dass er sehr stolz auf ihn ist – trotz Rollstuhl!

Die Idee

Gedanken ein Buch über einen Papa mit Handycap zu schreiben gab es schon früher. Für Hennes war es immer ganz normal, dass sein Vater im Rollstuhl sitzt und für Hennes ist er der tollste Papa der Welt. Doch leider ist das für viele Menschen nicht so selbstverständlich, dass hatten sie schon öfter erfahren müssen. Doch als Bianca Jahnke-Oppold eines Tages vor Hennes’ Kindergarten zufällig “Ohrenzeuge” einer Unterhaltung zweier Mädchen wurde, stand es für sie fest, dass Sie das Buch schreiben würde. Das eine Mädchen meinte zu ihrer Freundin: ” Den Hennes lade ich nicht zu meinem Geburtstag ein, weil sein Papa ist nicht schön.” Das gab ihr als Mutter zu denken. Das Kinder grausam sein können wissen wir alle. Aber wie kann es, dass Kinder solche Äußerungen machen? Kinder sind neugierig und bekommen mehr mit, als wir manchmal glauben. So auch zuhause. Und dass genügend Erwachsene Probleme mit Menschen haben die gehandycapt sind, erleben sie oft. Darum ist es um so wichtiger an dieser Stelle Aufklärungsarbeit im Sinne der Kinder zu leisten.

Das Buch

Bianca Jahnke-Ophold und ihr Erstlingswerk

Auf den ersten Blick scheint “Mein schneller Papa – es gibt viele Möglichkeiten schnell zu sein” ein ganz “normales” Kinderbuch über einen Jungen zu sein, für den sein Papa der größte und beste ist, so wie für die meisten Jungen in diesem Alter ihre Väter ein Vorbild sind. Aber nicht nur das, Hennes Papa Thorsten ist auch besonders…und vor allem besonders schnell. Die Geschichte: Hennes, 5 Jahre alt, geht in den Kindergarten und erzählt dort von seinem tollen und schnellen Papa. Er erzählt sie mit seinen eigenen Worten, festgehalten in tollen Bildern von Ellen Hamsa. Die Kinder raten praktisch von Seite zu Seite, was Hennes’ Papa wohl beruflich macht, dass er so besonders schnell ist. Vielleicht Rettungspilot oder fährt er ein schnelles Auto oder einen LKW? Die Lösung folgt und ist ganz anders, als viele es wahrscheinlich erwartet haben…..Thorsten Opphold ist Rennrollstuhlfahrer und fährt damit Marathonrennen bei den Paralympics, Europa- und Weltmeisterschaften! Und das sehr erfolgreich. Er hat schon etliche Medaillen gewonnen. Darauf ist Hennes sehr stolz. Und Hennes versucht es seinem großen Vorbild gleich zutun, hat sogar schon an einem Kindermarathon in Stuttgard teilgenommen und seine erste Medaille gewonnen.

Im Buch “Mein schneller Papa” taucht auch Hennes’ Freund Maurice auf, der ebenfalls im Rollstuhl sitzt, denn er besucht einen Integrativ-Kindergarten. Maurice durfte sich die Medaillensammlung von Thorsten schon mal ansehen. Hennes hat sie ihm gezeigt, “damit er später auch mal ein schneller Papa wird”. Und in Zukunft wird nicht nur Hennes seinen Vater anfeuern und lautstark “schneller Propeller” rufen sondern auch umgekehrt…

Unsere Meinung 

Hier ist nicht von Mitleid die Rede oder von Benachteiligung. Ganz im Gegenteil. Genau das ist ihr Ziel. Mit ihrem Buch “Mein schneller Papa“, will Bianca Jahnke-Opphold Kinder schon im Kindergartenalter für dieses Thema sensibilisieren. Hier wird Mut gemacht, Mut gemacht auch anders sein zu dürfen. Hemmschwellen werden abgebaut. Es soll Stärke vermitteln und motivieren. Und es zeigt auf, dass man sehr wohl auf auf jemanden stolz sein kann, der gehandycapt ist. Das diese Menschen als Vorbild dienen können. Zum Beispiel, wenn es darum geht ein Ziel zu verfolgen und an einer Sache dran zubleiben. Denn es sind nicht die Kinder, die von vornherein Probleme damit haben, wenn jemand anders ist sondern die Gesellschaft ist es, die ihnen dieses Gefühl vermittelt. Immer noch sind Integrative-Kindergärten selten, lieber trennt man. Ebenso in Schulen. Noch längst sind I-Klassen keine Selbstverständlichkeit. Kein Geld, keine Lehrer oder Fachpersonal. Es gibt so viele Themen und tolle Projekte, Kindern das “anders sein” verständlicher zu machen. Beispielsweise besteht ein wunderbares Projekt zwischen einer Grundschule und einem Altersheim, in dem es um den Umgang mit älteren Menschen oder Alzheimer-Patienten geht und tolle Erfolge erzielt. Aber auch das ist eine Ausnahme. Es ist so wichtig schon frühzeitig damit anzufangen. Solange sich daran nichts ändert und wir nicht unsere Kinder schon zu verantwortungsbewussten und toleranten Menschen erziehen, wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern. Denn unsere Kinder sind unsere Zukunft!

Wenn man  sich einmal unsere Nachbarländer anschaut, sieht es dort ganz anders aus. In den Niederlanden oder Belgien beispielsweise, werden Menschen mit einer Behinderung, egal welcher Art, ganz selbstverständlich in die Gesellschaft integriert. Gerade der Umgang in der Öffentlichkeit im Bereich der Freizeit ist es dort völlig normal, dass auch sie am öffentlichen Leben teilhaben, im Gegensatz zu Deutschland. Ob in Restaurants, im Schwimmbad oder – noch schlimmer – im Urlaub, fühlen sich manche Deutsche schon vom Anblick eines “Behinderten” gestört, was ich selbst schon mehr als oft erlebt habe. Sie möchten in ihrer Freizeit nicht mit einem solchen “Anblick” konfrontiert werden, da es ihnen den Appetit oder die gute Laune verdirbt. Dass muss man sich einmal vorstellen! Da wundern wir uns über solche Äußerungen von unseren Kindern? Wir leben es ihnen doch vor. Wobei ich sagen muss, dass Deutschland für mich auch eines der kinderfeindlichsten Länder ist die ich kenne. Spielende Kinder stören in sämtlichen Situationen. Und was deren Betreuung, Bildung und Förderung angeht, gehören wir mit zu den Ländern die immer noch nicht verstanden haben, wie wichtig das alles ist. Bei unseren Kindern spart auch der Staat an immer wieder an der falschen Stelle.  Das finde ich genauso traurig.

Was bei diesem Buch noch besticht, ist die Liebe zwischen Vater und Sohn, wie sie inniger nicht sein könnte. Es ist wunderbar teilhaben zu dürfen an dieser besonderen Geschichte. Denn die Liebe ist es, die unsere Kinder stark macht für ihr Leben. Ich bin der Meinung, dass dieses Buch, wenn nicht in jeden Haushalt, aber wenigstens in jeden Kindergarten oder auch noch in die Grundschule gehört. Aber es kann auch vielen Erwachsenen noch die Augen öffnen vor etwas, vor dem schon viel zu lange die Augen zugemacht wurden.

Infos 

Kinderbuch

Mein schneller Papa – es gibt viele Möglichkeiten schnell zu sein

von Bianca Jahnke-Oppold

mit Fotos von Ellen Hamsa

Erschienen im Eigenverlag

Zu bestellen auf www.mein-schneller-papa.de

ISBN-Nr. 987-3-00-031273-

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